cinegeek.de's Movie Review of Don't Look Now

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N/A

Don't Look Now

Rationalität
cinegeek.de - wrote on 03/26/16

Our Daily Free Stream: Nicolas roeg - Don't Look Now. Der Held aus Don't Look Now ist ein rationaler Mann, der weder an das Übersinnliche oder ein Leben nach dem Tod glaubt. Im Verlauf des Films werden seinen Überzeugungen in sich zusammen brechen. Der Mann wird zerstört werden. Don't Look Now führt ausserdem zwei Frauen ein, die eine Verbindung zum Übersinnlichen herstellen können. Dagegen stehen die analytischen Männer, gefangen in ihrer Verweigerungshaltung: Der Polizist, der Bischof und der Architekt. Die Frauen versuchen sie zu warnen, doch - umsonst. Nicolas Roegs Horror Klassiker wirkt nicht einfach durch Angst und Schrecken. Das wäre viel zu leicht! Roeg lässt uns eindringen in die Seele eines Mannes, der sich nicht mehr zu wehren weiss gegen eine Furcht die wächst und wächst... Roeg und sein Editor Graeme Clifford werfen uns dafür von einem beunruhigenden Bild in das nächste. Fast wirkt der ganze Film dadurch wie ein Fragment. Der Himmel ist regnerisch und grau; John und Laura Baxter (Donald Sutherland und Julie Christie) befinden sich in ihrem Landhaus. Während sie drinnen vor dem Kamin sitzen, spielen draussen die Kinder. Keinen einzigen Moment lang, fühlt man sich behaglich, keines der Bilder suggeriert Sicherheit! Der Vater studiert venezianische Kirchen. Die Tochter Christine, die einen leuchtend roten Regenmantel trägt, spielt in der Nähe eines Teichs. Christines Ball fällt in den Tümpel und im gleichen Moment verschüttet der Vater sein Glas und ein blutroter Fleck breitet sich langsam über dem gesamten Bild aus... Schnitt. Ein roter Regenmantel in einer venezianischen Kirche huscht vorbei. Schnitt. Draussen Christines roter Mantel im Teich. Irgendetwas bringt John dazu, aufzublicken, dann rennt er wie ein Wahnsinniger aus dem Haus. Er findet den toten Körper seiner Tochter, bricht zusammen, stösst einen animalischen Laut tiefster Klage aus. In dieser Szene wird nicht nur der Verlust der Baxters spürbar, hier wird der gesamte visuelle Stil des Films zusammen gefasst. Einige Einstellungen werden folgen, die wie aus der Zeit gerissen wirken, andere werden Zukünftiges vorwegnehmen. Christines Tod verfolgt das Ehepaar bis nach Venedig, dort wo John eine Kirche restauriert, wo ein Killer in Serie mordet, eine Leiche im Kanal geborgen wird und die Puppe eines Kindes am Ufer liegt. Der rote Regenmantel verbindet das schreckliche Ereignis am Teich mit dem Geschehen in Venedig: Eine kleine Figur im Regenmantel der Tochter versteckt sich vor John und flüchtet. Ist es der Geist Christines? Wir werden diese kleine Figur noch öfter sehen und ihr roter Mantel ist das Markanteste vom ganzen Film. Während Roeg alle bilder in dunklen Tönen gehalten hat, wirkt das Rot wie ein Farbspritzer. Die Farbe Rot verbindet den Tod der Vergangenheit mit der Zukunft. Die Baxters haben aus Liebe geheiratet. Der Tod der Tochter aber verwüstet diese Ehe und zwischen beiden breitet sich stille Trauer aus. In der Toilette eines Restaurants trifft Laura auf zwei englische Schwestern, Heather (Hilary Mason) und Wendy (Clelia Matania). Die blinde Heather erzählt Laura, sie hätte Christine beim Frühstück mit ihren Eltern gesehen: “She’s happy now!”. Laura zweifelt zunächst, beginnt dann aber mit voller Freude an diese Vision zu glauben. In der folgenden Nacht lieben sich die Baxters zum ersten Mal seit Christines Tod wieder. Die Sex-Szene zelebriert die ganze Leidenschaft und Wahrhaftigkeit der Ehe, wobei der Schnitt sie zwischendurch bereits beim Ankleiden einblendet. Gerade lieben sie sich noch, doch bald werden sie getrennt sein. Eben waren sie noch voller Passion, im nächsten Moment erleben wir sie wieder in Gedanken verloren. Es ist schmerzhaft, wie der Film mit den Ebenen der Zeit umgeht und darauf beharrt, dass unsere Zukunft bereits in der Gegenwart begriffen ist. Alles wird vorübergehen, selbst diese leidenschaftliche Liebe. Venedig wirkt wie eine verdammte Stadt. Die Kanäle sind voller Ratten und es gibt kaum eine Szene, in welcher die Strassen belebt sind. Alles wirkt vereinsamt und verloren. Anthony B. Richmond filmt einen Gang durch die Stadt im Winter so, als wandele man im Traum. Während Laura den beiden Schwestern glaubt, ihre Tochter sende ihnen Botschaften, ist John nur von einem überzeugt: “Our daughter is dead. Dead, dead, dead, dead, dead.” Obwohl er selbst nicht daran glaubt, wissen aber die Schwestern: John hat die Gabe, er hat das zweite Gesicht. Würde man den Plot von Don't Look Now zusammenfassen, müsste man ihn als klassischen Horror bezeichnen. Der visuelle Stil, das Schauspiel, die Stimmung aber verleihen Don't Look Now seine unheimliche Kraft! Ständig befürchten wir, etwas Schreckliches würde geschehen... Das ist es und nicht die Action, was Don't Look Now ausmacht! Die Erklärung all dessen? Oberflächlich. Die Furcht stets greifbar. Der Film basiert auf einem Roman von Daphne Du Maurier, seine Tiefe aber bekommt er durch den Schnitt: Die "revolutionären" russischen Filme der 20er versuchten durch ihre Montage, einzelne Szenen miteinander zu verknüpfen. Nicolas Roeg aber verknüpft Szenen, die nur scheinbar zusammen gehören. Genau wie John Baxter können wir uns nie sicher sein, was wir sehen: Existiert es? Existiert es nicht? Diese Freiheit nehmen sich die ersten fünf Nicolas Roeg Filme - seine Meisterwerke: Die Fotografie beschwört bestimmte Stimmungen, der Schnitt verstärkt sie sogar noch! Ganz gleich, was die rote Figur in Don't Look Now ist oder zu sein scheint - es mutet ganz willkürlich an! Das ist ein Film, der sich jeder Rationalität entzieht! Dazu haben wir für euch unsere favorisierten Horror Klassiker aus den 70ern als Film List auf der Seite unserer Videothek zusammengefasst. Auf cinegeek.de

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